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Ansiedlung von Störchen

Das Foto zeigt den Horst in Unshausen, mitten im Lebensraum brütet hier ein Storchenpaar – Natur die wir erhalten müssen

Eine Studie von Krista Dziewiaty belegt, dass der Bruterfolg des Weißstorches signifikant höher ist, wenn der Horst mitten im Lebensraum steht.

Wo brüten Weißstörche?

Weißstörche brüten am liebsten dort, wo ihre Artgenossen sind, denn der Storch ist ein Kolonienbrüter, zumindest hatte er früher damit Erfolg und deshalb ist dieses Verhalten zutiefst verwurzelt, es ist Teil seines Brutpflegeverhaltens.

Der heute den Störchen zur Verfügung stehende Lebensraum ist für eine Storchenkolonie jedoch denkbar ungeeignet. Sie sollte deshalb keinesfalls durch das Eingreifen unsererseits, das Aufstellen von Nisthilfen entstehen. Ein angemessener Abstand zwischen Nisthilfen (ca. 3km) und das Ergebnis einer genauen Untersuchung des vorhandenen Lebensraumes sollten unbedingt berücksichtigt werden.

Auch die Gefahren dürfen dabei nicht vernachlässigt werden. Der junge und unerfahrene Storch, der erstmals einen Brutplatz sucht, er kennt sie noch nicht und er wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit mit seinem Leben bezahlen.

Wir müssen dabei ehrlich sein uns selber gegenüber. Warum wollen wir denn den Weißstorch in unserer Nähe ansiedeln? Weil wir ihn so gut im Auge haben, ihn ständig beobachten und uns an ihm erfreuen können. Folgende Gründe habe ich dafür schon oft zu hören bekommen:

  • wir wollen die Natur den Kindern/Schülern nahe bringen und deshalb soll eine Nisthilfe für den Weißstorch in der Nähe des Kindergartens oder der Schule aufgestellt werden.
  • er hat versucht in der Nähe ein  Nest zu bauen.
  • er ist doch ein Koloniebrüter und er möchte in der Nähe des Menschen sein, (was nicht zutrifft).

Wäre es nicht sinnvoller den Weg in die Natur zu wählen und dadurch dem Weißstorch in seinem Lebensraum ein gutes Leben zu ermöglichen? Ist nicht das vorrangig der Grund Nisthilfen aufzustellen? Vielerorts, vor allem wenn die Naturschutzbehörden involviert sind, wird es zum Glück so praktiziert. Doch es gibt auch zu viele negative Beispiele, mit Folgen die im nachhinein kaum noch zu beheben sind. 

Auf jeden Fall gibt es keinen Drang von Störchen sich  innerorts anzusiedeln, es gibt den Instinkt der Tiere sich dort anzusiedeln wo bereits die Artgenossen brüten. Der Drang den Storch künstlich innerorts anzusiedeln ist anthropogen und dient nach meiner Auffassung und langjährigen Beobachtungen und Erfahrungen nicht dem Schutz der Weißstörche.

Die ersten negativen Folgen machen sich leider bereits bemerkbar

Einige Gemeinden werden dem Storch gegenüber bereits überdrüssig, wollen ihn nicht mehr im Ort haben. Er macht Dreck und ist zu laut, behindert gar den Autoverkehr. Überträgt er vielleicht sogar Krankheiten? Er ist nicht mehr selten, wir haben genug von ihm, er soll weg? Es macht mich einfach nur traurig!

Kunsthorste sollten Solitär aufgestellt werden

Anforderungen an den Standort:

  • Feuchtgebiete in der Nähe des Horstes. Das heißt er sollte in Sichtweite sein, so dass der Horst schnell wieder erreicht wird um Angreifer abzuwehren. Trotzdem ist eine Nahrungssuche möglich und das bringt dem Nachwuchs viele Vorteile. Ein Gartenteich ist eine gute Wasserquelle, ein Feuchtgebiet kann er natürlich nicht ersetzen.

  • Grünland in der Nähe.  Es sollte ausreichender Lebensraum für ein Storchenpaar und für seinen Nachwuchsvorhanden sein. Das müssen einige ha sein.

  • keine „Zivilisationsgefahren“ im unmittelbaren Umfeld, wie Straßen, Bahngleise oder gar Bahnhof, Oberleitungen, dicht besiedeltes Gebiet.

  • eine Mindesthöhe von 7-8 m, damit er gut an- und abfliegen kann

  • Prädatorenschutz bei Holzmasten. Waschbären klettern am Holzmast herauf und der Nachwuchs hat keine Chance

  • Abstand zu vorhandenen Storchenhorsten. Storchenkämpfe lassen sich durch weitere Horste nicht verhindern.

Dass ein Vogel mit einer Spannweite von bis zu 2,3m bei innerörtlicher Ansiedlung gefährdet wird, muss jedem klar sein.
Der Weißstorch als Kulturfolger

Als Kulturfolger werden Tiere und Pflanzen benannt, die von durch Menschen getätigte (anthropogene) Lebensraumveränderungen profitieren, wie es  z.B. bei der Feldbearbeitung und der Rodung der Fall ist. 

Storch auf einer frisch gemähten Wiese
Storch als Kulturfolger: Wiesen und Weiden müssen in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen

Der Weißstorch ist ein Bewohner der offenen Landschaften, er benötigt extensiv bewirtschaftetes Grünland ebenso wie Flussniederungen, überschwemmte Wiesen, offene Uferbereiche von Gewässern oder auch Sandbänke. All diese Lebensräume stehen nur noch bedingt zur Verfügung, sie werden aber erfreulicherweise durch Maßnahmen der Naturschutzbehörden und Verbände in unserem Raum teilweise wieder geschaffen. Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz HGON hat von der Gemeinde Wabern dafür ca. 3ha Fläche in den Waberner Ederauen  gepachtet und renaturiert. 

Informationstafel an der HGON Projektfläche Wabern Ederauen

Woher kommt der Bezug zum Menschen?
Baumbrut in Ziegenhain

Früher brütete der Weißstorch in Bäumen und auf Felsen. Baumbruten werden heute durchaus wieder angelegt, sie dienen als Ersatz für die Felsenbrut.  Der Weißstorch nutzt heute oftmals auch die Strommasten, Türme oder Schornsteine an exponierten Standorten. Hausdächer waren früher ebenfalls begehrte Nistplätze, auf Scheunen und Dächern gelang den Störchen oftmals der Bau von Horsten die über die Jahre tonnenschwer werden konnten, da der Bau des Horstes jedes Jahr erweitert wird.

Damals war dies für den Storch durchaus ein Gewinn, die feuchten Felder lagen unmittelbar neben den Häusern.  Es gab Mäuse und anderes Kleingetier ohne weite Strecken zurücklegen zu müssen. Heute ist die Besiedlung unserer Ortschaften und Städte durch den Weißstorch nicht mehr gewinnbringend für ihn. 

Diese Standorte sind mit vielen Zivilisationsgefahren verbunden.  Die Gefahren haben teilweise gravierende Ausmaße. Bei einer gezielten Ansiedlung sollten sie deshalb unbedingt beachten werden, schließlich wollen wir ihm ja helfen.

Gefahr erkannt -leider aber nicht gebannt- Der Überflug in niedriger Höhe endet für den Storch schnell tödlich

 

 

 
Was wir tun sollten und was nicht

 

Erster Naturhorst in Wabern: Spänebunker Blecher, Wabern II 2004 gebaut

Heute hat der Weißstorch Mühe geeigneten Lebensraum zu finden, für mehrere Paare reicht meist die Nahrung nicht aus.

Sie wollen ein Storchenhorst errichten? Wir stehen jederzeit für Fragen und Beratung bei einer Neuansiedlung zur Verfügung. Melden Sie sich gerne bei uns, die Kontaktdaten finden Sie im Impressum, hierfür können Sie auch das Kontaktformular unter „Horst entdeckt“, nutzen

So ein bisschen mehr Storch wollen wir aber haben …?

Das sind Worte, die wir schon öfter gehört haben, die uns sehr traurig machen und im Resultat dem Weißstorch sehr schaden. Mit diesen Voraussetzungen und Gedanken werden die Anforderungen an den Standort meist zweitrangig beachtet. 

 

Muss es nicht heißen: Was braucht der Weißstorch, wo geht es ihm am besten?
Verunfallung von Störchen innerorts:

Nein es ist kein gehäufter Zufall, es ist die Realität. Unsere Ortschaften – Straßenverkehr, Bahnverkehr, dichte Besiedlung, fehlender Lebensraum für Störche – sind denkbar ungeeignet für eine künstliche Ansiedlung.

Verluste in einer Kolonie innerorts seit der Entstehung:

von 2016 bis 2025:

  • 5  erfahrene langjährige Brutstörche, alle tödlich verunfallt, innerorts in der Nähe des Bruthorstes
  • 8  (bekannt) Altstörche an der Bahnlinie – sie folgten nur ihrem Instinkt nach den Artgenossen zu schauen, wollten dort nächtigen

Die Störche können die Gefahren nicht einschätzen, wir schon! Das alles zeigt uns wie wichtig die richtige Wahl bei der Aufstellung von Nisthilfen ist.

 Der Nahrungsmangel

er hat zur Folge, dass zahlreiche oder gar alle Jungstörche verhungern und bei Trockenheit auch Altstörche in Not geraten, wenn sie in zu großer Anzahl ansässig sind.  Es gibt in Deutschland:

    – nur noch wenige, meist kleinere Feuchtgebiete.
    – kaum noch offenen Deponien.
    – es gibt so gut wie kein, bzw. viel zu wenig Grünland/feuchte Wiesen.
    – exzessive Landwirtschaft bietet kaum mehr Nahrung.
    – Mäuse werden auf den Feldern vergiftet.
    – vorhandenen Weiher, Teiche werden durch den Menschen/Freizeitnutzung belegt.
    – Mit dem Quad geht’s oftmals durch renaturierte Flächen, auch während der Brutzeit?!
Letztlich nur der Lebensraum sichert dem Nachwuchs das Überleben

In geeignetem Lebensraum werden bei den Störchen meist 3-4, manchmal gar 5 Jungstörche groß. Heute sind es in Deutschland im Durchschnitt gerade mal 2 Jungstörche, im aktuellen Jahr 2025 sind es im Schwalm-Eder-Kreis weniger 1,3. Der Durchschnitt in Wabern liegt bei 1,2.  Horste mit Zufütterung sind aus dieser Statistik herauszunehmen. Hinter diesen Zahlen steckt viel Leid bei den Jungen, aber auch bei den Elterntieren.

Die Zahlen der flüggen Jungstörche in Horsten die einzeln mitten im geeigneten Lebensraum aufgestellt werden bestätigen diese Ausführungen. Hier werden im Durchschnitt 3-4 Jungstörche flügge. Kunsthorste in denen über viele Jahre nur 1 Jungstorch oder gar keiner flügge wird, zeigen wohl auf, dass der Lebensraum überbelegt ist.

Der Nahrungsbedarf der Störche wird meist unterschätzt

Alleine für den Eigenbedarf benötigt ein Altstorch mindestens 500g -1000g pro Tag, je nachdem wie aktiv sie sind. Wenn er Futter für seine Küken suchen muss, legt er täglich unzählige Kilometer zurück, er verbraucht also viel Energie. Für jeden Jungstorch im Horst muss er bis zu 1 kg pro Tag erbeuten über einen sehr langen Zeitraum.  Die Nahrung besteht aus Würmern, Heuschrecken, Mäusen, Fröschen und anderem Kleingetier.

Ist es zur Schlupfzeit in Wabern trocken, beginnt bereits die erste Not. Der Altstorch wird abmagern, was ihm über eine kürzere Zeit möglich ist.  Hält die Trockenheit jedoch über mehr als 1 Woche an, wird es auch für ihn eng. Woher sollen sie die Regenwürmer nehmen, wenn kein Feuchtgebiet vorhanden ist? Lediglich dem Storchenpaar in den Ederauen steht dafür ein kleines Gebiet zur Verfügung, dem Horst Wabern II dient in dieser Situation eine kleine Fläche an der Schwalm und die Teiche der Zuckerfabrik. Zur Brutzeit kommt es dort immer wieder zu Kämpfen mit Artgenossen. 

Wollen wir wirklich mit anschauen wie jedes Jahr der Nachwuchs in großer Anzahl verhungert, oder gar von den eigenen Eltern aus Verzweiflung verletzt oder getötet wird? 

Helfen Sie uns dabei den Störchen zu helfen, weniger – bedeutet Leben. Danke!